Pfoten-Tagebuch

Hund jagt Jogger und Radfahrer: Wie wir das Hetzen in Berlin stoppten

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Eines Morgens, irgendwo zwischen dem nassen Laub im Tiergarten und meinem dritten Versuch, nicht in eine Pfütze zu treten, passierte es. Ein kurzes, metallisches Surren von hinten – das Geräusch einer Fahrradkette. Bevor ich überhaupt realisieren konnte, was geschah, ruckte mein gesamter Oberkörper nach vorne. Meine Schulter fühlte sich an, als würde sie jeden Moment aus dem Gelenk springen, während ich versuchte, fünfzehn Kilo tobende Energie an einer dünnen Leine zu halten. Ich landete auf den Knien, im Matsch, meine Thermoskanne mit lauwarmem Kaffee entleerte sich über meine hellgraue Jacke, und ein Radfahrer brüllte mir im Vorbeifahren etwas Unschönes über meine Erziehungskünste zu.

Willkommen in meinem Leben als frischgebackene Hundebesitzerin in Berlin. Vor ein paar Monaten habe ich den zweijährigen Mischling einer Freundin übernommen, die Hals über Kopf umziehen musste. Ich? Grafikdesignerin, null Ahnung von Hunden, aber plötzlich Besitzerin eines Mitbewohners, der alles jagt, was sich schneller bewegt als eine Weinbergschnecke.

Hinweis: Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Wenn du über diese Links etwas kaufst, erhalte ich eine Provision – für dich ändert sich am Preis natürlich gar nichts. Ich teile hier nur meine ehrlichen Erfahrungen mit Hundekursen, die ich selbst im Berliner Chaos-Alltag getestet habe. Hier ist meine vollständige Offenlegung.

Warum Berlin für jagende Hunde ein Endgegner ist

In der ersten Woche dachte ich noch, das legt sich. Er muss sich nur eingewöhnen, oder? Falsch gedacht. Berlin ist für einen Hund mit Jagdtrieb wie eine riesige, blinkende Spielhalle. Überall flitzen Jogger in Neon-Klamotten vorbei, Radfahrer schießen aus Hauseingängen, und Lieferando-Fahrer auf E-Bikes sind sowieso das personifizierte Böse.

Besonders schlimm ist es während der Rushhour am frühen Abend. Die Reizdichte ist so hoch, dass mein Hund eigentlich durchgehend im Tunnel war. Sobald wir die Haustür verließen, scannte er die Umgebung. Jedes Surren, jedes schnelle Atmen eines Läufers ließ seinen Körper steif werden. Meine Strategie damals? Den Hund kürzer halten, selbst die Luft anhalten und innerlich beten: BITTE NICHT JETZT.

Nahaufnahme eines Hundes, der in der Stadt etwas fixiert

Ich habe schnell gemerkt: Standard-Tipps aus irgendwelchen Foren funktionieren hier nicht. Wenn dir jemand sagt "Lenk ihn einfach mit einem Leckerli ab", dann hat dieser Mensch noch nie versucht, einen fixierten Hund in Berlin-Mitte davon zu überzeugen, dass ein Stück Trockenfutter spannender ist als ein flüchtender Mountainbiker. Spoiler: Ist es nicht. Nie.

Der Moment, in dem Schinken gegen ein rostiges Fahrrad verlor

Es war Ende November, einer dieser grauen Berliner Tage, an denen der Asphalt nach kaltem, nassem Beton riecht. Ich war bewaffnet mit bestem Kochschinken – dem guten Zeug vom Bio-Markt. Ich dachte wirklich, ich könnte ihn bestechen. Fast vierzig Minuten lang versuchte ich, seine Aufmerksamkeit zu halten, während wir an einer belebten Ecke standen.

Dann kam ein altes, rostiges Damenrad angefahren. Es quietschte. Es klapperte. Mein Hund sah es, ich sah es, der Schinken in meiner Hand war plötzlich völlig unsichtbar. Er warf sich mit einer solchen Wucht in die Leine, dass ich fast wieder im Dreck lag. In diesem Moment traf mich der blick eines Joggers in knalligem Spandex – dieser mitleidige, aber auch extrem genervte "Erzieh dein Tier"-Blick. Ich wollte am liebsten im Erdboden versinken.

Ich ging nach Hause, googelte mit zitternden Fingern Online Hundeschule Erfahrungen und landete schließlich bei meinem zweiten Anlauf in der Welt der digitalen Erziehung. Mein erster Versuch mit einem günstigen Kurs, der schon seit über 7 Jahren auf dem Markt ist – dem Online Hundetraining – war okay für die Grundlagen wie Sitz und Platz, aber für mein spezielles Jagd-Problem in der Großstadt brauchte ich schwereres Geschütz.

Wie wir das Hetzen endlich in den Griff bekamen

Während der grauesten Wochen im Februar begann ich mit der Traumhund-Challenge. Warum ausgerechnet die? Weil sie 54 verschiedene Trainingsspiele beinhaltet. Als Designerin mag ich Struktur, und das Konzept, Erziehung über Spiele aufzubauen, klang für mich weniger nach "Militär-Training" und mehr nach etwas, das ich nach Feierabend noch schaffe.

Laptop mit Online-Hundekurs auf einem Tisch in einer Berliner Wohnung

Der wichtigste Hebel war die Impulskontrolle. Ich musste lernen, dass mein Hund nicht "böse" ist, wenn er Radfahrer jagt. Sein Gehirn klinkt einfach aus. Wir fingen an, das "Stoppen und Schauen" zu üben. Anstatt ihn wegzuzerren, lernten wir in kleinen Schritten, dass er mich anschauen darf, wenn er etwas Bewegliches sieht.

Das Training ist auf 365 Tage ausgelegt, was mich anfangs total abgeschreckt hat. EIN GANZES JAHR? Aber eigentlich ist es ehrlich. Man korrigiert zwei Jahre schlechte Angewohnheiten (oder einfach Instinkt) nicht in zwei Wochen. Wir haben in der Wohnung angefangen, dann im ruhigen Hinterhof, und erst viel später ging es wieder an die Straßen von Berlin.

Meine persönlichen Durchbrüche (und Rückschläge)

Falls du auch gerade an diesem Punkt bist, wo du dich fragst, ob du jemals wieder entspannt spazieren gehen kannst: Es wird besser. Aber du brauchst einen Plan. Ich habe zwischendurch auch mal in mein Tagebuch geschrieben, wie ich versucht habe, ihm Hund Sitz und Platz beizubringen – das war im Vergleich zum Jagd-Thema ein Spaziergang.

Hund bekommt Belohnung auf einem Berliner Bürgersteig während ein Radfahrer vorbeifährt

Was ich heute anders mache

Heute spüre ich immer noch dieses vertraute Ziehen in der Brust, wenn ich von weitem das Surren einer Fahrradkette höre. Das geht wohl nie ganz weg. Aber ich weiß jetzt, was zu tun ist. Ich scanne die Umgebung nicht mehr mit Panik, sondern mit Strategie. Wir nutzen die Übungen aus der Traumhund-Challenge fast jeden Tag, auch wenn es nur für fünf Minuten ist.

In Berlin ist es unmöglich, Reizen aus dem Weg zu gehen. Man muss lernen, mit ihnen zu leben. Das Training hat mir geholfen, die Sprache meines Hundes besser zu verstehen. Wenn ich heute merke, dass er an einem Tag besonders gestresst ist (vielleicht weil wir schon Hund an die U-Bahn gewöhnen geübt haben), dann erwarte ich keine Wunder von ihm.

Mein Fazit nach all den Monaten? Erziehung passiert nicht auf dem Hundeplatz, sondern morgens um sechs Uhr im Nieselregen, wenn man eigentlich nur schlafen will, aber stattdessen mit 54 Spielen im Kopf versucht, dem Hund beizubringen, dass Radfahrer keine Beute sind. Es ist anstrengend, es ist manchmal peinlich, aber wenn man dann diesen einen entspannten Moment im Park hat, ist alles vergessen. Wenn du auch so ein kleines Jagd-Monster zu Hause hast, schau dir die Kurse mal an – mir hat es den Arsch (und meine Schulter) gerettet.

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