Pfoten-Tagebuch

Mein Hund hört nicht auf mich: 4 Wochen Chaos, Tränen und mein ehrlicher Weg aus dem Erziehungs-Albtraum

Aktualisiert

Loki hat die Schnauze mitten im offenen Rucksack vergraben, während ich mit dem Handy in der Hand am Küchentisch hocke und in einer Berliner Facebook-Gruppe für Hundeanfänger nach Rat suche – weil er mich heute schon zum dritten Mal beim Rufen komplett ignoriert hat. Genau solche Fragen bekomme ich ständig von anderen Anfängerinnen, seit ich vor über einem Jahr über Nacht Hundebesitzerin wurde: Warum hört mein Hund nicht? Was mache ich, wenn er im Park ausrastet? Und warum funktioniert Rückruftraining bei jedem Video im Netz, nur nicht bei uns? Deshalb sammle ich hier die Antworten, die ich selbst gebraucht hätte – als Erfahrungsbericht aus dem echten Hundetraining-Alltag einer Anfängerin in Berlin, nicht als fertigen Ratgeber von jemandem, die längst alles kann.

Spoiler vorweg: Ein Patentrezept gibt es nicht.

Wer Loki ist – und warum er schon mit eigenen Regeln zu mir kam

Im Frühjahr des vergangenen Jahres musste Zoé, meine beste Freundin aus dem gemeinsamen Studium, innerhalb weniger Wochen wegen einer neuen Stelle nach Hamburg ziehen. Einen hundefreundlichen Platz hat sie dort nicht gefunden, also landete ihr Mischling Loki – damals etwa zwei Jahre alt – bei mir in einer Altbauwohnung im Norden Neuköllns. Kein Welpe, kein leeres Blatt: ein erwachsener Hund mit Gewohnheiten aus einem ganz anderen Zuhause und Regeln, die ich zu Beginn gar nicht kannte.

Zweiter Stock, kein Aufzug, kein Balkon, nur ein hohes Küchenfenster zum Hinterhof – für einen Hund, der ein anderes Zuhause gewohnt war, vermutlich erstmal eine Umstellung. Sein Körbchen steht seitdem zwischen meinem Schreibtisch und dem Bücherregal, mitten in dem einen Raum, in dem ich auch arbeite und wohne.

Aus Zoé wurde über Nacht meine wichtigste Fernberaterin. Bis heute schickt sie mir aus Hamburg Trainingsvideos und ganze Pakete mit Leckerli, die sie irgendwo entdeckt hat – meistens genau dann, wenn ich kurz vorm Aufgeben bin.

Pipi-Unfälle, ein zerkautes Ladekabel und ein Videocall, den ich nie vergessen werde

Erfahrungsbericht Hundetraining für Anfänger: zerkautes Ladekabel als Folge unbeaufsichtigter Minuten mit dem Hund

Mitten in einem wichtigen Videocall mit einem Kunden hat Loki sich in aller Ruhe hinter mir auf den Teppich gesetzt und einfach gemacht, während ich mit versteinertem Lächeln über Farbpaletten sprach und hoffte, dass niemand das Geräusch hört.

Erst nach dem Call habe ich gemerkt, was wirklich passiert war, und stand danach mit Küchenrolle in der Hand und dem Gefühl, komplett versagt zu haben, mitten in meinem Wohn-Arbeitszimmer.

Sein liebstes Ziel in dieser Zeit war aber mein Ladekabel, gleich zweimal zerkaut, über Stubenreinheit bei erwachsenen Hunden habe ich danach vermutlich mehr gelesen als über aktuelle Design-Trends.

Wenn Loki im Park komplett ausrastet

Hundetraining Anfänger Berlin: frustrierte Hundebesitzerin nach einer außer Kontrolle geratenen Begegnung mit einem fremden Hund

Das Tempelhofer Feld ist riesig, offen und genau deshalb ein Minenfeld für einen Hund, der jeden Artgenossen am Horizont sofort kommentieren muss. Beim ersten richtigen Aufeinandertreffen mit einem fremden Hund hat Loki sich mit vollem Tempo in die Leine geworfen, ich bin nach vorne gestolpert und lag Sekunden später der Länge nach im Gras, während er unbeeindruckt weiterbellte, als wäre ich gar nicht da.

"Pfui!" und "Nein!" habe ich anfangs gerufen, so laut, dass vermutlich halb Tempelhof mitbekommen hat, wie wenig Ahnung ich hatte. Er hat es komplett ignoriert, kein Ohr hat sich auch nur bewegt.

Was bei uns langsam geholfen hat, war nicht Lautstärke, sondern Abstand und Ruhe, bevor die Situation eskaliert. Das Ganze nennt sich Leinenreaktivität, und das allein wäre ein eigenes großes Thema.

Lokis nächtliches Jaulen, wenn er allein ist

Brigitte aus dem ersten Stock wohnt seit 22 Jahren in unserem Haus, und sie war die Erste, die mich mit dem nächtlichen Gejaule konfrontiert hat – mit einem handgeschriebenen Zettel, den sie mir kurz nach Lokis Einzug unter die Tür geschoben hat.

Das Jaulen kam schon, wenn ich nur kurz zum Briefkasten oder zum Müll runtergegangen bin – für Loki fühlte sich offenbar jede Trennung wie ein endgültiger Abschied an. Ausführlicher beschreibe ich das in meinem Text über das nächtliche Jaulen, falls dich als Thema gerade selbst umtreibt, ob das schon Trennungsangst ist.

Mittlerweile klopft Brigitte, wenn es ihr zu viel wird, nur noch einmal kurz gegen die Decke – kein Klingeln, kein Schreien, nur dieses eine Klopfen, und ich weiß sofort, woran ich bin.

Ruhig bleiben statt schreien: was im Hundetraining bei uns wirklich geholfen hat

Ganze Sätze wie "Komm schon, sei doch brav, wir wollen doch nur kurz einkaufen" laufen bei einem Hund einfach als Hintergrundrauschen mit. Verstanden habe ich das erst, als ich angefangen habe, mehr auf meine eigene Körpersprache zu achten als auf meine Worte.

Für Loki zählt offenbar vor allem, wie ruhig oder gestresst ich gerade bin, nicht was ich sage. Atme ich vor der Tür einmal tief durch, statt schon halb genervt zu sein, reagiert er sichtbar entspannter.

Belohnung im richtigen Moment, also positive Verstärkung, hat bei uns mehr bewirkt als jede lange Ansage. Für Geräuschangst gäbe es eigene Übungen zur Desensibilisierung und Gegenkonditionierung, aber das ist ein Kapitel für sich, das an anderer Stelle genauer drankommt.

Ob Loki kommt, wenn ich rufe, oder eher dem Eichhörnchen folgt

Rückruftraining klang in der Theorie simpel: rufen, Leckerli zeigen, fertig. Auf dem Tempelhofer Feld hat Loki einmal ein Eichhörnchen entdeckt, das eindeutig interessanter war als jedes Käsestückchen in meiner Hand, und ist quer über die Wiese gesprintet, während ich hinterhergerannt bin und mich vor den anderen Spaziergängerinnen zutiefst blamiert habe.

Leckerli-Ignoranz in absoluter Reinform. Seitdem übe ich Rückrufe zuerst in ruhigen Ecken ohne freie Sicht auf mögliche Eichhörnchen, bevor ich es wieder auf offener Wiese versuche.

Rückruftraining Hundetraining: Mischlingshund schaut gespannt zu einem Leckerli hoch beim Übungsversuch im Park

Feste Abläufe statt ständiger Ansagen: unsere Routine in der Altbauwohnung

Morgens kündigt Loki sich nicht mit Bellen an, sondern mit dem Kratzen seiner Krallen auf dem alten Parkett, wenn er aus seinem Körbchen hochspringt – ein Geräusch, das ich mittlerweile selbst im Halbschlaf erkenne.

An der Wohnungstür zeigt sich am deutlichsten, wie viel sich verändert hat: Er setzt sich inzwischen von selbst hin, bevor ich überhaupt die Klinke runterdrücke, und wartet auf ein Zeichen von mir.

Genau das ist im Alltag nichts anderes als Impulskontrolle, und dazu gehört bei uns auch, dass er auf seinen Platz zwischen Schreibtisch und Bücherregal geschickt wird, wenn ich telefoniere oder koche. Widersprüchliche Ansagen bringen bei einem Hund genauso wenig wie ein Kunden-Briefing, das laufend komplett umgeschmissen wird. Loki reagiert auf Verlässlichkeit, nicht auf gute Absichten.

Online-Hundeschulen für Anfänger: eine ehrliche Einordnung

Am Anfang hat mich das Angebot an Kursen und Ratgebern im Netz fast erschlagen, weil jede Seite behauptet hat, die einzig richtige Methode zu kennen. Einen ausführlichen, ehrlichen Test zu Online-Hundeschulen habe ich deshalb an anderer Stelle geschrieben, falls du gerade vor derselben Auswahl stehst wie ich damals.

Diese drei Dinge würde ich jeder Anfängerin mitgeben

Erfahrungsbericht Hundeerziehung Berlin: Hund schläft entspannt im Wohnzimmer nach einem ruhigen Trainingsalltag

Vergleiche mit dem perfekt trainierten Hund irgendeiner Influencerin bringen niemandem etwas. Der einzige Maßstab, der zählt, ist, ob dein eigener Hund heute eine Sekunde länger gewartet hat als gestern.

Management schlägt Erziehung an den meisten Tagen: Schuhe, Kabel und Essensreste konsequent wegräumen spart mehr Nerven, als ständig hinterherzurufen.

Und wenn die eigene Anspannung steigt, kurz rausgehen, tief durchatmen, wiederkommen. Hunde spüren Stress sofort, und Training funktioniert schlecht, während man selbst kurz vorm Ausrasten ist.

Perfekt ist daran GAR NICHTS, und das wird bei uns wahrscheinlich auch nie der Fall sein. Aber die Fragen, die mich am Anfang fast in den Wahnsinn getrieben haben, beantworte ich heute mit einer Ruhe, die ich mir selbst nicht zugetraut hätte, und genau die wünsche ich dir auch.

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