Pfoten-Tagebuch

Angst vor der Hundewiese: Warum wir große Hundegruppen im Park noch meiden

Zwanzig frei laufende Hunde auf eingezäunter Fläche, kein einziger Meter Rückzugsraum – so sieht die Hundewiese im Volkspark Friedrichshain an einem gewöhnlichen Nachmittag aus, und genau deshalb bleiben mein Mischling und ich lieber draußen am Zaun stehen. Hundebegegnungen in dieser Dichte lösen bei ihm sofort sichtbaren Stress aus: Ohren flach, Schwanz steif, Blick wie festgenagelt auf die Meute. Diesen Hundewiese-Stress spüre ich mittlerweile am Zittern der Leine, bevor wir überhaupt am Tor stehen.

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Die Faustregel, die uns bislang zuverlässig hilft: Ab ungefähr zehn frei laufenden Hunden ohne Ausweichmöglichkeit drehen wir um. Weniger Tiere und mehr Platz zum Ausweichen kann er einschätzen. Ab einer bestimmten Dichte kippt die Stimmung einfach, egal wie BRAV er sich sonst benimmt.

Was eine Hundewiese laut Definition sein soll – und wie schnell daraus Leinenaggression wird

Eine Hundewiese ist im Kern eine ausgewiesene, meist eingezäunte Fläche, auf der Hunde ohne Leine laufen dürfen. Klingt erstmal simpel. In der Praxis heißt das aber: mehrere Dutzend Hunde unterschiedlichster Erziehung und Laune auf engem Raum, während die Menschen drumherum eher miteinander reden als das Geschehen im Blick zu behalten.

Außerhalb des Zauns gilt in Berlin fast überall Leinenpflicht, innerhalb dürfen alle plötzlich frei rennen, was für einen unsicheren Hund kein Geschenk ist, sondern eine Überforderung. Wie genau sich aus solchen Situationen Leinenaggression entwickelt, habe ich an anderer Stelle ausführlicher beschrieben – hier am Zaun zählt vor allem, dass wir dieses Risiko gar nicht erst eingehen.

Woran ich erkenne, dass wir heute besser wegbleiben

Bevor wir überhaupt ans Tor gehen, schaue ich auf drei Dinge: wie viele Hunde frei laufen, wie viel Platz sie zum Ausweichen haben, und wie die Körpersprache am Zaun aussieht – hohe Rute, starrer Blick, schnelles Kreisen sind für mich das Signal, draußen zu bleiben, ein Thema, das eine eigene Geschichte für sich verdient hätte. Wirkt die Gruppe entspannt und der Platz großzügig, bleiben wir vielleicht sogar ein paar Minuten am Rand stehen.

Angespannte Hand hält die Hundeleine straff – Körperspannung als Warnzeichen vor der Hundewiese

Neulich kippte drüben ein Hund über einen anderen, ein kurzer Schmerzlaut, und für zwei Sekunden wurde es komplett still am Zaun. Alle halten in diesem Moment die Luft an, bevor irgendjemand wieder redet oder lacht, als wäre nichts gewesen. Genau solche Sekunden sind es, die meinem Hund noch lange nachhängen, auch wenn wir längst weitergegangen sind.

Hundetraining in Berlin: Distanz vor Nähe

Was bei uns tatsächlich etwas verändert hat: erst auf Distanz beobachten, dann in winzigen Schritten näherkommen statt direkt reinzumarschieren – in der Fachsprache heißt dieses Herantasten wohl Desensibilisierung, bei uns ist es einfach die Regel, dass Nähe verdient werden muss und nicht vorausgesetzt wird.

Seit wir dafür Übungen aus der Traumhund-Challenge nutzen – 54 einzelne Trainingsspiele, aufgeteilt in kleine, machbare Schritte – läuft unser Ablauf am Zaun ruhiger ab. Ein großer Teil davon läuft auf Impulskontrolle hinaus, geübt in ruhigeren Ecken, lange bevor überhaupt ein anderer Hund in Sicht kommt. Belohnt wird dabei ausschließlich, wenn er von selbst ruhig bleibt – Belohnung für Ruhe statt Korrektur für Ausraster ist so ziemlich das Einzige, das bei uns zuverlässig etwas verändert hat.

Laptop mit Kursvideos zur Impulskontrolle beim Hund – Hundetraining Berlin von zuhause aus

Warum stundenlange Spaziergänge das Gegenteil bewirkt haben

Bevor wir bei der Distanzmethode gelandet sind, haben wir etwas anderes probiert: ihn vor jedem Wiesenbesuch stundenlang müde laufen, in der Hoffnung, dass ihm dann schlicht die Energie zum Ausrasten fehlt. Das Gegenteil ist passiert – er kam von diesen langen Runden aufgedrehter zurück statt ruhiger, als hätte die Strecke ihn eher aufgeladen als erschöpft.

Zwei Stunden Gassi ändern nichts an der Grundsituation: ein überforderter Hund, ein enger Zaun, zu viele fremde Nasen auf einmal. Müdigkeit überdeckt das Problem höchstens KURZ, sie löst es nicht.

Was sich zuhause längst verändert hat

Zuhause zeigt sich der Unterschied inzwischen ganz beiläufig: Sage ich abends „Platz“, geht er von selbst auf seine Decke, ohne dass ich ihn hinführen oder locken muss. Dieses gezielte Schicken auf einen festen Platz ist eine eigene Übung, die anderswo ausführlicher ihren Platz hat – hier zählt nur, dass sie sich offenbar auch außerhalb der Wohnung bemerkbar macht, in kleinen Dosen zumindest.

Eine Freundin von mir hängt am liebsten beim Aerial-Yoga in Friedrichshain kopfüber in ihrem Tuch, entspannt bis in die Fingerspitzen. Bei mir reicht dagegen schon der Anblick von zehn losen Hunden am Zaun, um den Puls hochzutreiben – wir trainieren eben an unterschiedlichen Baustellen.

Muss man auf die Hundewiese, um einen gut erzogenen Hund zu haben?

Nötig ist der Massenauflauf nicht. Zwei, drei bekannte Hunde, mit denen er sich schon auskennt, bringen ihm mehr bei als zwanzig fremde auf einmal – Kontakt in kleiner, kontrollierter Dosis wirkt bei ihm zuverlässiger als Kontakt in großer Menge.

Wer selbst nach mehr Struktur sucht, findet in der Traumhund-Challenge genau die kleinschrittigen Übungen, die uns von der Zaun-Panik weggebracht haben. Auf die große Hundewiese im Volkspark Friedrichshain gehen wir trotzdem noch nicht wieder, aber darum geht es in der Traumhund-Challenge auch gar nicht: kleine Schritte statt großer Sprünge, und ein Hund, der am Zaun nicht mehr durchdreht.

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